|

Tantra hat den Hinduismus, Buddhismus und Dschainismus wesentlich
beeinflusst und Spuren in ganz Asien hinterlassen. Heute erobert dieser Kult die
westliche Welt als eine Methode, die den Menschen aus seiner Bindung an die
Äußere materielle Welt löst, und ihn auf seine inneren Kräfte zurückführt.
Für einen Tantriker, ist die Sexualität göttlich, sie ist kraftgebend und
lebenspendend. Der Beischlaf wird als ritueller Akt vollzogen. Tantriker sind anti-
asketisch, sie bejahen das Leben und suchen ausdrücklich, die Vergnügung des
Lebens. Treibe dein Vergnügen zur höchstmöglichen Potenz und benutze es dann
als einen geistigen Raketentreibsatz. Tantriker benützen alle Sinne, den Geist und
die Seele, um mystische Höhen zu erreichen.
Die Praxis des Tantra ist von Mensch zu Mensch, von Land zu Land und von
Epoche zu Epoche verschieden. Doch jeder Anhänger widmet sich der Meditation
und Ritualen, die alle Sinne einschließen, um den Zustand der spirituellen Seeligkeit
zu erlangen. Tantra ist keine Lehre, über die man in Bücher nachlesen kann,
obwohl es zahlreiche Sanskrit-Lehrbücher, gibt. Diese Texte bestehen aus
Anleitung zum Handeln. Tantra muss gelebt werden, um voll verstanden zu werden.
Es verspricht das Leben zu erweitern, das normale, menschliche Bewusstsein in
die transzendentale Weisheit und grosse Vitalität zu verwandeln und höchste
sexuelle Erfüllung zu verleihen. Anstatt die Dinge auf Zahlen und Formeln zu
reduzieren, die das Leben im Keim ersticken, hat im Tantra die alltäglichste
Handlung eine Bedeutung. Wie Tantra lehrt, sind wir eins mit dem Göttlichen, mit
dem Kosmos, und zwar hier und jetzt in jeder Tätigkeit. Wenn wir das erkennen,
wird jede natürliche Handlung auch im Bereich des Animalischen, zu einem
religiösen Ritual.
|